Unser Co-Founder und Geschäftsführer Sebastian Heye durfte im Klabautermann-Podcast von Tobias Grebestein gemeinsam mit dem Digitalisierungs-Experten über die Möglichkeiten der Automatisierung, was diese für den Mittelstand und KMUs bedeutet, die Corona-Krise und seine Leidenschaft, das Kochen, reden. Lesen Sie hier die gesamte Folge noch einmal nach.

Tobias Grebestein: Mein heutiger Gast ist Sebastian Heye. Er ist Co-Founder von der Automatisierungsschmiede wemakefuture GmbH aus Gießen. Wir werden in dieser Folge versuchen, das Thema Automatisierung bzw. die Cloud-basierte Automatisierung dem Mittelstand und allen Firmen etwas vereinfacht näherzubringen. Herzlich Willkommen Sebastian.

Sebastian Heye: Hallo Tobias. Erstmal danke, dass du dir heute Zeit genommen hast. Supercool, dass ich dabei sein darf und mit deinem Klabautermann-Podcast – das hört sich richtig gut an. Bisher machts richtig Spaß zuzuhören. Ja, danke.

Auch danke an dich, dass du dir Zeit genommen hast, dass wir uns heute mal zusammensetzen können und dass du mir ein paar Fragen beantworten kannst. Damit alle Hörerinnen und Hörer erstmal ein Bild im Kopf davon bekommen, wer du bist und was du eigentlich so tust, wäre es schön, wenn du dich vorstellst und ein bisschen was über deine Arbeit mal berichtest.

Ja, gerne. Also ich bin Sebastian. Ich bin der Co-Founder von der wemakefuture GmbH, wie du eben schon richtig gesagt hast. Wir machen Automatisierung. Und wir sagen auch manchmal, dass wir die erste Automatisierungsagentur, wahrscheinlich erste Automatisierungsagentur, Deutschlands sind. Wir schmieden komplexe Automatisierung für Unternehmen.

So ein bisschen was zu meinem Hintergrund: Ich hab klassisch mal eine Banklehre gemacht, und Banken sind auch sehr, sehr prozesslastig, hab dann IT-Management studiert, in einer Unternehmensberatung gearbeitet und habe sehr schnell erkannt, dass viele Prozesse in Unternehmen, aber auch bei Mittelständlern und kleinen Firmen immer wieder noch händisch gemacht werden, die eigentlich über Tools, die ich auch in meinem Nebengewerbe, was ich lange hatte, bei Kunden schon eingesetzt habe, eigentlich automatisiert werden könnten. Und dass da Unternehmen einfach einen Helfer brauchen, um dort erfolgreich nach der Digitalisierung als nächsten Schritt die Automatisierung anzugehen.

Automatisierung in Zeiten der Corona-Krise

In meinen Folgen werde ich immer anfangs auf das Thema Corona eingehen, solange es aktuell ist und die Medien bestimmt und sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt. Und mich und auch die Hörerinnen und Hörer würde sehr brennend interessieren: So ein Automatisierungs-Spezialist, wie hat der das wahrgenommen? Wie hat sich was in deiner Arbeitsweise geändert? Du arbeitest ja auch vorwiegend von zuhause aus. Wie hast du das alles persönlich wahrgenommen? Diese verrückte Situation.

Also, für uns hat sich, ehrlich gesagt, sehr wenig geändert. Zum Glück. Wir haben sogar sehr, sehr viele Aufträge aktuell, weil viele Kunden sagen „Na gut, jetzt hab ich aktuell Zeit, einerseits meine Prozesse mal zu betrachten, um auch dann gegebenenfalls Sachen zu automatisieren, die bisher Mitarbeiter gemacht haben, die dann entweder entlassen worden sind oder entlassen werden.“ Wir haben aber auch auf der anderen Seite aktuell die Herausforderung, dass viele Unternehmen sagen „Wir wissen nicht, wie es weitergeht, und deshalb automatisieren wir es jetzt erst mal, um zu schauen, was dann in der Zukunft ist.“

Die Situation des Mittelstands und der KMUs

Bevor wir jetzt gleich richtig in die Materie einsteigen, möchte ich so ein bisschen auf die allgemeine Situation im Mittelstand eingehen. Ich weiß, dass ist schwierig, nicht alle Firmen sind gleich, aber wir arbeiten hauptsächlich im KMU Bereich, im klein und mittelständischen Bereich, und was denkst du ist momentan die aktuelle Ist-Situation in Deutschland? Was unseren digitalen Stand angeht?

Zoomen wir mal raus: Ich würde es noch einmal mit einem aktuellen Thema, was ich gerade heute Morgen auch gelesen habe, unterstreichen, was auch von einem alten Projekt oder von Teilprojekt der letzten Wochen herrührt. Schauen wir uns mal die Schulen an. Schauen wir uns an, wo die Bildung stattfindet. Bevor junge Menschen in Unternehmen eintreten, durchlaufen sie die Schule, und das ist sehr, sehr traurig, was man dort sieht. Die Schulen sind nicht wirklich digital. Es wird über Hardware geredet, aber eigentlich das wichtigere Thema Software: Wie erreichen wir die Menschen, die Schüler didaktisch? Das wird gar nicht betrachtet.

Und diese Fehl-Situation kann man vergleichen, beispielsweise mit Estland. Die sind dort super erfolgreich, haben eine ganz klare Digitalstrategie. Und da hat unsere Politik in den letzten Jahren sehr, sehr, sehr viel verschlafen. Es fehlt immer noch eine richtige Chipkarte. Es fehlt auch die Verpflichtung der Bürger, dass die wirklich an digitalen Verfahren teilnehmen müssen. Das wäre auch für Unternehmen eine sehr, sehr gute Möglichkeit, wenn es eine Chipkarte gäbe bzw. wenn es wirklich eine digitale Authentifizierungsmöglichkeit gibt, Prozesse zu automatisieren und zu verifizieren: „Das bist du, Tobias Grebestein. Du bist autorisiert diesen Prozess durchzuführen.” Und das sind jetzt nur kleine Beispiele.

Aber es manifestiert sich einfach, dass immer noch auf „Turnschuh-Admins“, wie man in der IT so schön sagt, gesetzt wird und das nicht Cloud-Lösungen präferiert werden, was wirtschaftlich und was einfach in der aktuellen technischen Situation eine Fehlentscheidung ist. Und wir haben jetzt gerade letzte Woche gemeinsam auch gehabt, dass man dann immer wieder auf lokale Software eingeht, auch noch heute lokale Software kauft, die nicht im Browser läuft. Und wir vergleichen Sie mal damit, weil das für den Kunden so das anschaulichste ist. Wenn Sie nun Software am PC installieren müssen, das ist eigentlich heute die falsche Software, wenn die unternehmensweit genutzt werden soll. Die muss im Browser laufen, denn dann ist sie wirklich cloud-basiert. Das ist eine Faustregel, die ist nicht immer ganz richtig, aber die kann man so sagen.

Was bedeutet Automatisierung?

Deine Firma bietet ja als Kerndienstleistung die Automatisierung an. Und in dieser Podcast Folge wollen wir versuchen, die Hemmschwelle zu diesem Thema des Unternehmers und der Unternehmerin zu senken. Und bei der Automatisierung schicken wir ja Kunden bzw. die Kundendaten auf eine Reise, eine sogenannte Customer Journey. Erzähl uns doch mal zum Thema Automatisierung und Customer Journey, was das vereinfacht bedeutet?

Das ist eine sehr gute Frage, und zwar das Interesse von den Firmen darauf zu lenken, wie eine gute Customer Journey, wie die automatisiert ablaufen kann, hatte ich gerade gestern Abend wieder im Gespräch mit einer Bank. Und zwar geht es darum, dass im Endeffekt die Customer Journey bei dem Berater endet. Das ist falsch. Denn eine Customer Journey muss komplett automatisiert ablaufen können. Der Mitarbeiter hat da, losgelöst von diesem Prozess, wenig damit zu tun. Ich mache mal ein ganz, ganz einfaches Beispiel, was wir sehr, sehr häufig haben. Der Erstkontakt. Jedes Unternehmen, ob es Business to Business oder Business to customer ist, hat immer wieder Erstkontakte. Und hierbei gibt es teilweise Möglichkeiten in hundert Variationen wie Kundendaten in das Unternehmen reinkommen.

Wichtig ist es, zu standardisieren und dann eine schöne Willkommens-E-Mail zu senden. Dann als nächstes, einen Reminder zu senden, beispielsweise bei einem Hotel, zu sagen eine Woche vor Ankunft: „Hier haben Sie die Möglichkeit, bei uns in der Nähe einen Ausflug zu machen. Das ist ein Kooperationspartner. Schauen Sie mal, der hat 4,5 Sterne auf Tripadvisor oder hier, das ist das Restaurant, was aktuell 4,8 Sterne bei uns in der Region hat und wir empfehlen das,weil das lokale Bioprodukte einsetzt und, und, und.“ Eben diese automatisierte Weiterreichung von Daten und Informationen, die man als Unternehmen aggregiert. Und das hat kein Mitarbeiter zu machen. Das macht ein Server. Das macht die Cloud im Hintergrund. Und dann geht es weiter: Dann wird der Gast darauf hingewiesen, wie er vielleicht am Tag im Hotel einchecken kann.

Das kann man aber auch auf produzierende Unternehmen übertragen: Wie machen die Ihren Außendienst? Wie machen die den Vertrieb? Wir haben aktuell beispielsweise eine Steinbau-Firma als Kunde, die automatisiert ihren kompletten Vertrieb. Es kommt immer wieder vor, dass der Vertrieb nicht daran denkt, dass da ein offenes ToDo ist und, und, und. Reminder senden.

Auch eine interne Mitarbeiter Customer Journey, eine Employee Journey, zu bauen, wie die Mitarbeiter in diesen Prozessen laufen. Und da kann es nicht sein, dass der Mitarbeiter, der im Endeffekt das vergessen hat, auch wieder diese Journey anstößt, sondern es läuft automatisch. Und das sind so viele Kleinigkeiten, wo wir auch gerne nochmal mehr ins Detail gehen können, was dann den Unternehmen die Möglichkeit gibt, A zu fantasieren und B die Möglichkeit gibt zu sagen „Ich will uns einfach mal darüber informieren. Was geht denn alles?“

Die Automatisierung als Möglichkeit für KMUs und Mittelstand

Die Frage, die ich mir jetzt bei der ganzen Situation stelle, das ist total das spannende Thema, die Automatisierung, und gerade kleinere Firmen bzw. Firmen, die sich nicht so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten können, können ja sozusagen mit der Automatisierung einen Mitarbeiter einstellen, einen virtuellen Mitarbeiter, der sich im Hintergrund um die Prozesse kümmert. Warum ist das nicht so? Warum hat das nicht jeder? Warum geht das nicht voll durch die Decke jetzt gerade?

Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Und wir hatten auch bei unserer Firmengründung mal scherzhaft gesagt: Eigentlich bräuchten wir eine Wirtschaftskrise, damit die Unternehmen sagen: „Jetzt automatisieren wir unsere Mitarbeiter.“ Ich persönlich, das möchte ich an der Stelle betonen, ich bin sehr sozial engagiert. Wie du auch gerade siehst: Ich habe das Kids Camp T-Shirt von Rotaract an, und ich glaube auch, dass wir Menschen auch in Hinsicht auf Richard David Precht zu sehen:

Wir stehen wirklich vor einer großen Umwälzung. Aber Automatisierung wird mehr und mehr kommen. Das Schöne bei Automatisierung ist: Wir nehmen Menschen keine Arbeitsplätze weg, sondern wir nehmen denen redundante, stumpfe, teilweise sehr, sehr traurige Arbeit weg. Es macht keinen Menschen glücklich, wenn er drei Tage lang die gleichen Sachen von A nach B kopieren muss von der einen Excelliste ins Word-Dokument. Das macht keinen Menschen glücklich, das kann man automatisieren.

Und da fehlt es, glaube ich, heute noch, den Unternehmen daran, zu wissen, was denn eigentlich alles geht. Was kann ich alles automatisieren? Und was sind meine Prozesse, die redundant sind? Und viele Führungskräfte, auch in den Unternehmen, setzen sich gar nicht mit dem Detailaufgaben, die die Mitarbeiter dann ausführen, um ein Arbeitsergebnis zu erlangen, auseinander. Was dann dazu führt, dass die sich auch gar nicht anschauen: ist in dem Prozess, den mein Mitarbeiter dort macht, etwas, was ich automatisieren kann, was redundant ist?

Und da setzen wir an, da gehen wir analytisch vor und schauen dann halt zu sagen: „Hey, automatisiert das.“ Und aktuell, wenn wir auch die Talsohle der Corona-Krise durchlaufen haben, wird es zwei Möglichkeiten geben für Unternehmen: Entweder Mitarbeiter wieder einzustellen und zu sagen „Du machst den Prozess. Du nimmst das Online-Formular, wo unsere Kundendaten rein gehen, überträgst das ins CRM-System, dann legst du eine Akte an, dann erinnerst du den Kunden nach einer Woche nochmal bitte dran…“ Oder zu sagen: „Wir automatisieren das Ganze“. Weil das wäre ein klassischer Prozess, den wir von heute auf morgen innerhalb von wenigen Stunden ausrollen können, wo dann im Endeffekt fast eine ganze Stelle wegfällt bei einem Unternehmen.

Das bedeutet, spätestens jetzt müsste den meisten Leuten ja mal ein Lämpchen im Kopf angehen, weil keiner sitzt gerne im Büro, keiner mag diese stumpfe Arbeit. Und das geht auch beim Rechnungen schreiben los, beim Angebot schreiben, bei der Auftragserfassung, Lieferscheine raus schicken. Natürlich müssen gewisse Sachen individuell betrachtet werden. Manche Angebote sind noch individuell, definitiv. Aber die gesamte Weiterreichung der Daten, die kann man halt vollständig automatisieren.

Ja, absolut. Und ich glaube, da ist noch ein weiterer Schritt, den wir im Thema Digitalisierung gehen müssen: Wir müssen viel, viel mehr dahin kommen, dass Digitalisierung heißt, nicht Online-Werbung nur zu schalten, nicht heißt, nur einen Online-Shop zu haben, sondern wirklich Systeme im Hintergrund zu haben, die Cloud-basiert sind. Du hast das eingangs sehr, sehr schön gesagt: Cloud-Prozess-Automatisierung. Denn, wenn Unternehmen in der Digitalisierung sich für lokale Software entscheiden oder für lokale Anwendungen entscheiden, dann ist das eine große Herausforderung, diese Sachen zu automatisieren.

Es gibt dafür RPA; Robotic Process Automation, das ist auch in verschiedenen Managementkreisen aktuell ein sehr, sehr oft genanntes Thema. Jedoch, die Herausforderung ist: das lohnt sich nicht für kleine, mittelständische, aber auch teilweise große Unternehmen, da immer wieder diese Roboter, wie Mitarbeiter, neu trainiert, mal angepasst werden müssen. Unsere Sachen, die wir cloud-basiert machen, sind Schnittstellen-basiert. Das heißt, die haben eine sehr, sehr hohe, lange Lauffähigkeit, dass da wenig angepasst werden muss. Und die basieren unabhängig von irgendwelchen Robotern. Und das ist einfach ein Riesenvorteil. Da ist aber der erste Schritt, um die Unternehmen erfolgreich zu machen, die richtige Software einzuführen.

Da möchte ich jetzt auch hier an der Stelle keine Werbung machen für verschiedene Software. Es gibt Tausende Möglichkeiten, und das ist auch unabhängig, was wir auch machen, wir sind jetzt nicht so, dass wir nur eine Software den Kunden geben, sondern wir sind absolut unabhängig. Und das ist uns auch wichtig, weil wir verdienen keine Provision. Wir verdienen einfach nur an der Leistung, an der Programmierung, an der Wartung der Prozesse. Und haben da keinen Moral Hazard, wie man so schön sagt, irgendwelche Software verkaufen zu wollen.

Ist dieses gesamte Geschäftsmodell auf gewisse Branchen ausgelegt, oder kommt da im Prinzip jeder für in Frage?

Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Um es in zwei Richtungen zu beantworten: Einerseits die Unternehmensgröße – da sind wir extrem flexibel. Wir haben ein Unternehmen, das ist ein klassischer Ein-Mann-Betrieb. teilweise auch noch, manchmal Ein-Mann, nur Kleingewerbe, der einen kleinen Prozess automatisieren möchte. Wir haben aber auch ein 94.000-Mann Weltunternehmen, wo wir Nischenspezialist sind und Teile der Prozesse automatisieren. Wir bewegen uns aktuell mehr und mehr in Richtung den großen Unternehmen, weil die einfach das Potenzial erkannt haben zu sagen: RPA, Legacy-Software-Automatisierung ist nicht unbedingt sinnvoll, ist zu sperrig, zu langwierig, das aufrechtzuerhalten. Wir haben aber auch dort eine breite Masse an Kunden in der zweiten Richtung. Wir sind wirtschaftlich komplett unabhängig.

Wir haben von einem der größten Bauernhöfe Deutschlands, den wir automatisiert haben, und das ist wirklich so ein Fall, der hatte davor 30 Mitarbeiter, der ist jetzt runter auf eine einstellige Zahl. Das ist wirklich, wirklich sehr, sehr stark, was der sich an Kapazitäten gespart hat. Und auf der anderen Seite sind wir aber auch bei Dienstleistern tätig. Wo es noch so ein bisschen herausfordernd ist, ist bei wirklich produzierenden Unternehmen. Aber auch da gibt es Dienstleistungs-Prozesse im Marketing, im HR-Bereich, also im Personalbereich, im Vertriebsbereich, in der Geschäftsführung, im Rechnungswesen. Also alle die Hilfs-Abteilungen für die produzieren Unternehmen. Da können wir auch Automatisierung ausrollen. Und das ist auch aktuell so unser Fokus, das wir sagen, wir helfen Abteilungsübergreifend, und wir helfen eigentlich allen Unternehmen, die in einer Möglichkeit sind, dass sie ihre Dienstleistungsprozesse im Unternehmen, als auch selber als Dienstleister, automatisieren wollen.

Cloud-Basierte Software ist Grundvoraussetzung für Automatisierung

Das heißt, Unternehmen werden sich jetzt in Zukunft die Frage stellen müssen: Auf welche Software stelle ich um? Ist es eine Legacy Software, sprich ist die lokal auf dem PC installiert, oder ist es eine browserbasierte Version? Für was entscheide ich mich? Und was hängt dahinten noch alles mit dran? Ich kenne das aus dem Tagesgeschäft. Man redet mit den mittelständischen Firmen und dann kommen diese ganzen Einwände, wie zum Beispiel: „Wir arbeiten schon immer mit dieser Software“ oder „Es kostet erst einmal viel Geld“, „Meine Mitarbeiter werden diese neue Software auf keinen Fall akzeptieren“. Was würdest du diesen Firmen empfehlen?

Die aktuelle Situation, die wir jetzt gerade haben, ist durch Corona bedingt, sodass Unternehmen, die beispielsweise einen lokalen Exchange Server – Microsoft hat letztes Jahr noch einen Exchange-Server rausgebracht – Ich habe das auch häufig mitbekommen, dass Kunden 2019 noch gesagt haben: „Wir machen diesen Exchange Server“, die bereuen das aktuell. Natürlich ist jeden Monat pro Mitarbeiter 50 Euro für Software ausgeben zu müssen, ein neues Denken. Aber ganz ehrlich: Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Ich sage, ein Unternehmen muss heute fünf bis zehn Prozent der Mitarbeiterkosten in Software investieren, sonst werden die langfristig nicht erfolgreich sein. Denn nur so kann ein Mitarbeiter heute effektiv arbeiten.

Das ist für Mittelständler eine sehr, sehr – das weiß ich aus der Beratung, auch aus dem täglichen Geschäft – herausfordernde Aussage, gar keine Frage. Aber: die Zahlen geben uns Recht. Und das heißt für Unternehmen ganz klar eine Software-Umstellung. Cloud First ist absolut heute notwendig. Und so zu denken. Auch zu schauen: wenn ich mich für eine Software entscheide, den Anbieter zu fragen: „Schicken Sie mir doch mal bitte Ihre offene Schnittstellendokumentation.“ Auch hier dieses Wort noch mal betonen: offene Schnittstellendokumentation, und wenn er das nicht ohne Murren und Knurren direkt zuschickt, dann würde ich mir als Entscheider ganz große Gedanken machen. Denn das heißt, dass die Software abgeschlossen ist. Das heißt, da lässt keiner irgendwie Daten rein und keiner Daten raus.

Und es ist heute super wichtig, aus Software Daten rauszulassen. Wir lassen mal den Datenschutz außen vor geklammert, weil das sind authentifizierte Prozesse, die dürfen in dem Moment die Daten rausgeben. Das bedeutet aber auch, dass das super notwendig ist, dass heute Software, die ich einführe, erstens eine gute Schnittstelle hat und zweitens in der Cloud liegt, weil dann kann ich diese Schnittstelle einfach anbinden. Das meint das damit. Und im Weiteren gibt es noch die Möglichkeit, bei dieser Softwareumstellungen, bei dieser Herausforderung, die Mitarbeiter zu schulen. Das  ist extrem wichtig. Nicht nur der Datenschutz dabei. Wobei der Datenschutz ganz ehrlich das kleinste Problem ist. Man muss das einfach erfassen, man muss das dokumentieren, man muss es nachhalten, man muss es überwachen.

Aber die größte Herausforderung ist im täglichen Anwendungsfall mit den Mitarbeitern, und diese Mitarbeiter müssen auch mit auf die Reise genommen werden. Denn nur weil der Prozess jetzt vielleicht von einem Bot gemacht wird, von einem Roboter gemacht wird, in der Cloud basiert, heißt das ja nicht, dass der Mitarbeiter arbeitslos wird im direkten Moment. Sondern der Mitarbeiter ist immer noch für den Kunden da.

Und wir haben ein sehr, sehr schönes Beispiel gehabt in einer Tierarztpraxis, die jetzt ihre Prozesse automatisiert haben. Und die Mitarbeiter nehmen sich Zeit, sich um die Kundenanliegen zu kümmern. Dadurch haben die Ärzte mehr Informationen bekommen, was eigentlich das Tier wirklich hat. Und die Zufriedenheit der Kunden ist so stark gewachsen, dass die in den letzten Monaten mehrere hundert neue Kunden bekommen haben Während der Mitbewerber immer schlechtere Bewertungen auf Google bekommen hatte, dass er sich nicht so viel Zeit für die Kunden genommen hat. Und dann entlässt man auch keine Mitarbeiter als Dienstleister.

Handwerker als Zielgruppe der Automatisierung

Das heißt nochmal zusammengefasst: Die Unternehmer, die Unternehmerinnen, müssen sich jetzt Gedanken machen um die Preisgestaltung. Die Hemmschwelle muss sinken. Ich projiziere das mal auf zum Beispiel einen Handwerksbetrieb. Ich war vor ein paar Tagen bei einer großen Malerfirma in der Region, und da hab ich auch mit den Ohren geschlackert, was die für Hardware haben mit denen die Handwerker arbeiten müssen am Ende. Da waren dann verschiedene Lackier- und Spritzmaschinen, um Putz an die Wand zu spritzen, 6000 bis 7000 Euro, verschiedene Bohrmaschinen, Trockenbauschrauber.

Die gehen mal schnell in ein paar hundert Euro. Jeder fährt mit dem Firmenfahrzeug durch die Gegend. Das muss ausgestattet werden. Wir reden da auch schnell über Investitionen von Zigtausenden Euro. Was sind dann am Ende 50 Euro pro Mitarbeiter pro Monat um vielleicht 25, 30 Prozent Zeit freizuschaufeln? Weil jeder weiß: Zeit ist Geld. Es ist nur so ein doofer Spruch, aber es ist die Realität am Ende. Wenn ich mehr Zeit habe, mich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren, kann meine Firma wachsen, und ich kann viel mehr Geld und Umsatz generieren am Ende.

Wir haben am Anfang bei unserer Firmengründung tatsächlich auch einen Fokus auf Handwerker gelegt gehabt, weil wir sagen: Welche Unternehmen sind aktuell oder waren aktuell extrem ausgelastet und haben wenig Zeit. Das sind Handwerker. Bis man einen Termin bei einem Handwerker bekommen hat, beispielsweise Maler, Elektriker, das dauert sehr lange. Und wenn ein Handwerker direkt auf der Baustelle schon anklicken kann: Ich habe das eingebaut, das eingebaut, das eingebaut, und dann geht das direkt an sein Sekretariat. Das Sekretariat kann das nochmal überprüfen, oder seine Geschäftsführung kann das noch mal überprüfen, ob das plausibel ist. Theoretisch kann man den Schritt auch überspringen. Und dann geht die Rechnung direkt an den Kunden. Die Arbeitszeit ist erfasst, der Prozess ist direkt und gradlinig, von der Baustelle direkt aufs Bankkonto quasi.

Und die Handwerker haben uns das nicht abgenommen. Die Handwerker haben gesagt „Nein, das ist kein Problem, das machen wir schon so.“ Aber sind wir mal ehrlich. Die Zeit, die die im Nachgang noch aufgewendet, um diese Rechnungen zu schreiben und bis das dann beim Kunden ankam oder Terminvereinbarung mit einem Handwerker… Das ist für uns ein Klassiker. Online-Terminvereinbarung – total einfach. Vor Corona: schwierig zu verkaufen gewesen. Kunden, die es ganz klar wollten, haben es bekommen bei uns. Jetzt aktuell werden wir so stark angefragt: „Können wir das nicht irgendwie online vereinbaren?“ Und das ist, glaube ich, die Zukunft bei Handwerkern, sich einfach so seinen Termin online buchen zu können.

Ich habe tatsächlich vor kurzem einen Handwerker gehabt, ohne dessen Namen zu nennen. Meine Frau hat die Zahnarztpraxis umgebaut, und das war ein Heizungs-Sanitär-Betrieb aus der Region, ein relativ Großer. Und da kam der Mitarbeiter mit einem iPad auf die Baustelle. Danach hat er sich, eine Viertelstunde, bevor er weitergefahren ist, Zeit genommen, hat dann die Materialien angeklickt, die er verbaut hatte. Die größeren Materialien waren eh schon bei mir in der Kundenakte hinterlegt, weil wir die ja auf Angebote quasi bestellt haben. Da hat er seine Stunden eingetragen. Hinter dem Stundenfaktor war ein jeweiliger Multiplikator mit dem Stundensatz gewesen. Ich habe es ihm unterschrieben. Er hat gegengezeichnet, hat auf Absenden geklickt, und ich habe am gleichen Tag die Rechnung gehabt und der Prozess war sozusagen abgeschlossen, bei ihm in der Handwerker Software beim Chef im Büro hinterlegt. Ich möchte nochmal mit dir auf das Thema Leben nach der Krise eingehen.

Ich hab grad so das Gefühl, wir stehen an einem Scheideweg. Die Unternehmerinnen und Unternehmer haben Soforthilfen beantragt, haben verschiedene andere Sofortmaßnahmen eingeführt und warten jetzt auf diesen Tag x an dem gefühlt die Schleusen aufgehen. Der Markt geht wieder auf. Die Bundesregierung und die Landesregierungen lockern alle Maßnahmen, die beschlossen wurden. Und dann geht das Leben so weiter wie bisher. Glaubst du, es geht weiter wie bisher? Oder wird sich in unserer Gesellschaft grundlegend was ändern?

Ich vergleiche das mit einem volkswirtschaftlichen Beispiel. Davor würde ich vielleicht nochmal darauf eingehen wie wars denn früher. Man hatte ja eigentlich das Feld bestellt, wenn gutes Wetter war. Und man hat als Bauer im Endeffekt auch erst seine Erträge gesichert und hat auf lange Sicht gearbeitet. Das ist bei Unternehmen in den letzten Jahren nicht passiert. Unternehmen haben wenig Geld für Digitalisierung investiert, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, obwohl sie in einer wirtschaftlich guten Phase waren. Und ich glaube, das wird sich jetzt nach der Krise nochmal deutlich ändern. Und zwar, wenn wir uns das anschauen, was das bedeutet: Heißt es erstens: Die, die jetzt investiert hatten, werden wahrscheinlich stärker überleben und die, die jetzt noch nicht investiert hatten, werden Herausforderungen haben, ganz klar, zu überleben. Und da bin ich gespannt, denn ich glaube nicht, dass unsere Unternehmen so einfach wieder weitermachen werden wie davor auch.

Entscheidend wird auch sein in was ich investiere. Was ich gerade beobachte mit Erschrecken: Es sprießen so viele Anbieter, Portale, lokale Marktplätze und was weiß ich auch immer aus dem Boden und die Leute suchen so einen Rettungsanker und versenken teilweise gutes Geld, beziehungsweise werfen gutes Geld schlechtem Geld hinterher, anstatt zu sagen, ich kümmere mich um meine Firma jetzt. Ich habe auch als kleine Firma die Chance, am Markt regional das Rad zu drehen, mit einem eigenen kleinen Online-Shop, mit einer eigenen Automatisierung, mit einer guten Werbung auf sozialen Medien, mit Werbeanzeigen, mit einer guten Platzierung in der Suchmaschine. Da muss ich mich nicht an Portale dranhängen, die zumal in der Regel auch keinen Nutzen für den Endkunden bieten. Ich gehe da drauf, hab eine Art Visitenkarte.

Dafür brauche ich im Prinzip kein Portal. Das bietet mir die Suchmaschine, die Sprachsteuerung. Ich will sie jetzt nicht ansprechen, sonst geht mein Handy an, aber wenn ich sage “Okay, Google, wo ist der nächste Handwerker, der nächste Gas-, Heizungs-, Sanitärbetrieb hier in der Region, dann spuckt die mir das Ergebnis aus. Da brauche ich keine Marktplätze für.

Und das ist eben auch das, wenn wir uns das anschauen, was Amazon, was die Großen an Provision einfach jedes Mal nehmen pro Bestellung, ist das viel, viel teurer und natürlich langfristig auch viel, viel kostenintensiver als eine einmalige Investition. Zumal die Investition, die man so tätigt als Unternehmen, auch förderfähig sind.

Regionale Marktplätze als Möglichkeit für KMUs

Ich hab mir eben das Thema Marktplätze angesprochen. Mich würde mal persönlich interessieren. Ich habe früher bei einer großen Firma gearbeitet, die eine Art Marktplatz und Apps vertrieben hat. Hast du damit Erfahrungen gemacht? Oder wie stehst du zu diesem Thema Marktplätze?

Ich finde tendenziell einen Marktplatz gut. Was ich mir sehr, sehr gut vorstellen kann, das hatten wir auch mal in Gießen angesprochen, und zwar, dass es Unternehmen geben sollte, die lokal ihre Produkte online verkaufen. Weil was unterscheidet Unternehmen lokal? Ich kann es heute kaufen und kann es heute erhalten. Bei Amazon muss ich ein, zwei Tage warten, aktuell ein bisschen länger. Und diese Möglichkeit, Unternehmen zu geben, dass man einen lokalen Marktplatz hat, der eventuell auch von Städten mit unterstützt ist – die Städte sollen bitte nicht die Software entwicklern, sondern die sollen das an Profis ausgeben, die können das aber gerne mit initiieren.

Dann kann das ein Erfolgsmodell sein, weil auch ganz ehrlich: die Kunden wissen das ja. Die Kunden wissen, es gibt das  „Mein Gießen kaufen“, einfach mal als Beispiel, und können dann lokal ihre Produkte erwerben. Das bedeutet aber auch für die Unternehmen, die müssen natürlich die Produkte dort eintragen. Die müssen das irgendwie automatisiert, wir können da helfen bei, abbilden. Und dann ist das Ganze auch für die sehr, sehr lukrativ. Und zumal eben diese Investitionen da rein tendenziell ja über verschiedenste Förderprogramme und Unterstützungen, die es aktuell gibt von der Bundesregierung, aber auch von den Landesregierungen, möglich sind.

Wenn du nicht vor dem Bildschirm sitzt, dann stehst du gerne mal vom Herd. Einer deiner großen Leidenschaften ist das Kochen. Und vom Kochen, ich rede jetzt nicht davon, irgendwie Spaghetti mit Tomatensoße in die Pfanne zu klatschen und dann zu gucken, das mal was passiert, sondern du liebst das wirklich, leidenschaftlich zu kochen. Auf welche Komponente kommt es da an? Wie läuft das bei dir so ab?

Auf jeden Fall auf frische Gewürze, am besten aus meinem eigenen Garten. Auf regionale Produkte und auch vor allem auf Qualität muss man ganz klar sagen. Heute Abend vielleicht so als kleines spin-off gibt es selbstgemachte Burgerpatties mit einer Avocado-Mango Creme, und dazu gibt’s frittierten Mozzarella, überbacken mit Cheddar-Käse und frischen Tomaten und ein bisschen Basilikum obendrüber und einer Honig-Senf-Soße.

Spielen digitale Medien noch eine Rolle?

Teilweise ja. Was ich gerne mache, ist diese Tasty-Videos mir anschauen, wobei ich finde, die frittieren mir ein bisschen zu viel. Es gibt aber trotz alledem noch einige coole Videos, die man sich einfach anschauen kann, auch währenddessen und Musik hören, ganz klar.

Das ist ein gutes Stichwort, weil gerade diese Tasty-Videos bzw. Kochvideos, die verbinde ich persönlich mit Automatisation. Ich stelle mir das so vor, dass, wenn du jetzt deine Burgerpatties machst: Du brauchst Fleisch, du musst Zwiebeln anbraten, du backst das Brot vielleicht selber, der Teig wird vorher geknetet, das Gemüse wird klein geschnitten, und das dauert ja alles eine gewisse Zeit. Bei den Videos ist es immer so cool, die legen dann die ganzen Zutaten hin, hauen einmal mit der Hand auf den Tisch, dann kommt der Schnitt, und der fertige Burger steht auf dem Tisch. So stelle ich mir eigentlich die die Customer Journey vor. Vorne kommt etwas rein. Ich haue auf den Tisch. In einer Millisekunde ist der gesamte Prozess, was eigentlich eine Dreiviertelstunde gedauert hat, innerhalb von einer Millisekunde abgearbeitet.

Ja, so soll Automatisierung.

Am Ende meiner Folge bekommt jeder Gast die alles entscheidende Frage gestellt: Buch oder Serie?

Serie!

Okay, dann möchte ich jetzt noch gerne wissen, welche. Ich gehe davon aus, Netflix oder einer der anderen großen namhaften Serienanbieter ruft heute bei dir an, sagt Sebastian, such dir bitte eine Serie aus, die du bis ans Ende deiner Tage gucken musst. Welche wäre das?

Ich würde bis zum Ende meiner Tage Breaking Bad konsumieren. Das hat drei Gründe, warum ich im Breaking Bad schauen würde. Und zwar einerseits, weil Walter White, der Lehrer, der hat sein Unternehmen verkauft, Krey Matas, und trauert so dem Ganzen hinterher. Und vor blinder Geldgier merkt er gar nicht, dass er eigentlich sein Ziel schon lange erreicht hat und übertreibt es maßlos. Ich finde, dem sollten wir uns auch immer wieder bewusst werden, dass unser Leben viel, viel kürzer ist, als dass wir nur noch leben um zu arbeiten, arbeiten, arbeiten. Und das steckt auch ein bisschen in der Automatisierung im Endeffekt, dass wir weniger arbeiten müssen und mehr Zeit für unsere Familien und für unsere Menschen in unserer Gesellschaft haben.

Der weitere Punkt ist das Jessy, so ein unerkanntes Talent, eigentlich ein schlauer Kerl, aber leider durch die Chancen der Gesellschaft nie wirklich erfolgreich geworden, zeigt, dass wir unbedingt in Bildung investieren müssen. Jetzt ist unsere Bildung meiner Meinung nach deutlich besser als in Amerika. Aber trotz alledem benötigen wir mehr Investitionen in Bildung, vor allem, was digitale Bildung angeht. Meiner Meinung nach muss jedes Kind Programmieren lernen, heute. Da geht kein Weg mehr dran vorbei. Aber das mit unseren Lehrern ist so eine Herausforderung. Die zweite Sache so generell an der Serie ist einfach die Kulissen, dass es Spaß macht zu schauen.

Sebastian, ich danke für das nette Gespräch.

Danke dir, Tobias dafür, dass ich dabei sein darf.

Und jeder, der jetzt Fragen hat und ganz viele Fragezeichen zum Thema Automatisation hat, kann sich gerne einfach melden. Ich bin mir sicher, weitere Fragen können wir individuell beantworten.